Grußwort

Liebe Gemeinde,

vor ein paar Tagen habe ich im Fernsehen einen Beitrag gesehen, in dem von der Geschichtsvergessenheit vieler Menschen in unserem Land die Rede war. Ein Drittel der Menschen in unserem Land wolle nichts mehr davon hören, dass Deutschland den 2. Weltkrieg begonnen hat, oder dass 6 Millionen Juden durch den Naziterror umgekommen sind. Die Folgen Verdrängens von Geschichte sehen wir in unserer Gesellschaft: der Antisemitismus ist wieder verbreiteter. Dass das Werden der Europäischen Union für 70 Jahre Frieden in unserem Land beigetragen hat, indem es einen nationalstaatlichen Egoismus überwunden hat, wird nicht gesehen, beziehungsweise wertgeschätzt. Vor kurzem habe ich eine Braunschweiger Brauerei besucht. Der Betriebsleiter hat mir mit Begeisterung von der Brautradition am Standort erzählt. Und das war nicht nur Rückblick, sondern im Wissen um diese Tradition wurde und wird das Unternehmen immer weiterentwickelt. In der Lesung dieses Sonntags aus dem 1. Timotheusbrief erleben wir einen Apostel Paulus, der seine Geschichte nicht verdrängt. Er war ein Christenverfolger, bevor er Apostel wurde. Christus hat ihn, den Sünder, als Apostel berufen. Deshalb kann er zu seiner Geschichte stehen. Christus liebt uns, bekennen wir. Wenn wir das glauben, dürfen und sollten auch wir zu unserer Geschichte stehen, auch zum was da keine Ruhmesgeschichte war.

Herzlich grüße ich Sie,

Ihr Propst Reinhard Heine