Katholische Pfarrgemeinde St. Aegidien

Kath. Pfarrgemeinde St. Aegidien
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Kirchenmusik

Kirchenmusik St. Aegidien ist die katholische Hauptkirche in Braunschweig mit einem kirchenmusikalischen Schwerpunkt.

 

 

Ratlos…

Die Nachrichten aus dem Nahen und Mittleren Osten, machen mich sehr betroffen und ratlos. Was ist los in dieser Welt? Die immer schon bestehenden Spannungen zwischen den Nationen dort haben nun für ein weiteres Kriegsgebiet in dieser Welt gesorgt, in dem die Prinzipien von Angriff und Vergeltung regieren. Die Situation scheint zudem immer mehr zu eskalieren und weitere Länder einzubeziehen.

Zwei Perspektiven werden mir bewusst. Die eine ist der Blick in unsere Situation in unser eigenes Land. Auch unsere Demokratie ist brüchig. Zugleich bin ich sehr dankbar, hier leben zu dürfen, wo es Freiheit und Rechte für uns gibt und wir die Gesellschaft aktiv mitgestalten können. Das darf nicht gefährdet werden, indem auf Probleme mit unredlichen vereinfachenden Antworten, Schwarz-Weiß-Malerei und mit Ausgrenzung reagiert wird.

Der andere Blick heißt: Wir können die Probleme dieser Welt nicht mit einfachen Antworten bewerten. Ich kann nicht einfach sagen: „Seid nett zueinander und geht in den Dialog!“. Sonst müsste ich mir den Vorwurf gefallen lassen, keine Ahnung zu haben von der oft brutalen Lebenswirklichkeit der Menschen in anderen Teilen der Welt, die ohne Freiheit, Schutz und sozialen Strukturen auskommen müssen. Es ist oft nicht klar, wer Täter und wer Opfer ist und wie diese Rollen wechseln.

Ein konstruktiver Dialog setzt voraus, dass man eine gemeinsame Basis hat. Es wird aktuell noch offensichtlicher, dass die Menschheit kein verbindendes Wertesystem hat. Selbst die Vereinten Nationen haben nur eine sehr überschaubare Kraft, die unter­schiedlichen Interessen von verfeindeten Nationen in Frieden zusammen zu führen.

Wenn Jesus uns in der Bergpredigt zuruft „Liebt eure Feinde“ oder „Halte auch die andere Wange hin!“, merke ich die Grenzen der Anwendbarkeit. Ist es nicht legitim, sich zu verteidigen, wenn das Leben der eigenen Familie durch Feinde brutal bedroht wird?

Die Idealbotschaft Jesu, die ich persönlich sehr schätze, setzt das Bewusstsein voraus, dass wir eine Menschheitsfamilie sind, die sich zwar untereinander weh tun kann, die sich aber auch wieder zu ihrem Ursprungsgedanken bekehren lässt: Wir wollen einander gut sein! Ohne diese verbindende Grundlage ist auch der Anspruch Jesu nicht nur nicht umsetzbar, sondern kann sogar gefährlich werden.

Wir können wir bei aller Ratlosigkeit in der aktuellen Situation das Gemeinsame der Menschheit stärken? Nichts tun ist keine Option. Ich glaube es ist dringend nötig, zum einen unsere Demokratie nach innen zu schützen. Zugleich heißt es, aus unserer komfortablen Situation heraus aktiv dazu beizutragen, dass Menschen in den Kriegs- und Krisenorten dieser Welt Licht, Wärme, Solidarität und Liebe erfahren. Wenn sie, z.B. durch die Stärkung von großen Hilfswerken wie Caritas International, spüren könnten: „Da helfen uns Menschen aus der ganzen Welt!“, könnte der verbindende Gedanke der Menschheitsfamilie neu wachsen.

Propst Martin Tenge