Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste in St. Aegidien,
manchmal frage ich mich, wenn ich als Priester der Feier der Hl. Messe in St. Aegidien vorstehe, was ich falsch mache. Denn, mal ganz ehrlich: als eine lebendige Feier empfinde ich die Messe nicht immer, z.B. dann, wenn die Dialogantworten der Messe, „Der Herr sei mit euch“ – „Und mit deinem Geiste“ nur leise und zögerlich erfolgen.
Womöglich kommt dieses Phänomen aus zwei Richtungen. Zum einen ist die frühere Gestaltung der Feier der Hl. Messe noch prägend. Da hat man nämlich die Messe „gehört“. Sie war bis zur Liturgiereform eher das Handeln des Priesters, der das Opfer Christi feiert: der Priester liest die Messe – die Gemeinde hört zu. Zum anderen gibt es Unsicherheiten: Soll ich laut mitsprechen – wenn andere es auch nicht tun?
Die Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils hat das Prinzip der „participatio actuosa“, also der „tätigen Teilnahme“ der Gemeinde am Gottesdienst, neu betont. Liturgie ist eine gemeinsame Feier von Priester und Gemeinde geworden, in der alle sich auf ihre Weise einbringen und aktiv „mitmachen“. Das wird dann u.a. deutlich am gemeinsamen Gesang und auch am aktiven Mitsprechen der Dialoge und der Gebete.
Es kann immer Situationen geben, in denen man persönlich nicht in der Lage ist, laut mitzusprechen. Hier darf man vertrauen, dass die anderen in der Gemeinde das übernehmen und stellvertretend für die mitbeten, die es persönlich gerade nicht so gut können.
Wenn wir am Aschermittwoch in die Fastenzeit gehen, könnte dies vielleicht ein guter Fastenvorsatz sein: wenn ich an der Messe teilnehme, möchte ich sie nicht nur „hören“, sondern auch mit meiner hörbaren Stimme mitfeiern. Dazu lade ich uns herzlich ein.
Propst Martin Tenge
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